Pśěza - die Spinte
Laut Überlieferung: Beginn am Michaelistag (11.11.) bzw. Andreastag (29.11.)
Zur Spinte trafen sich früher unter der Woche allabendlich junge ehrbare unverheiratete Mädchen des Dorfes zum gemeinsamen Spinnen des vorbereiteten Flachses. Die fertigen Flachs-Wocken zum Verspinnen brachten alle Mädchen von zu Hause mit.
Der Flachs wurde in vielen Schritten für das Spinnen vorbereitet. Diese Arbeitsschritte mußten nach der Flachsernte alle zu Hause abgeschlossen sein.
Mit 14 Jahren wurde man früher konfirmiert, die Schulzeit endete und man ging in die Lehre. Die jungen Leute waren dann oft nicht mehr zu Hause und mußten viele Entscheidungen selber treffen.
Die zu Hause auf den Höfen im Dorf gebliebenen Mädchen trafen sich in der Spinte zum gemeinsamen Arbeiten und lernten unter der strengen Aufsicht der Kantorka alle Lieder, die sie für die Bräuche z.B. Zapust (s.da), Ostersingen (s.da) oder für die Gottesdienste brauchten. Wurde im Takt des Pedaltretens gesungen oder wurde mit dem Singen die Geschwindigkeit vorgegeben? Wohl beides.
Wer war denn eigentlich Gastgeber? Bei den großen (reichen) Spinten eine Bauernfamilie mit einer mitarbeitenden Tochter. Die Familien hatten meist eine große Stube und konnten auch die Bewirtung der Mädchen aufbringen. Überliefert ist z.B. dass es am ersten Abend der pśěza wohl lieber einen Gänsebraten gab, als während der gesamten Saison Käse- oder Butterstullen anbieten zu müssen. Das wäre wesentlich teurer geworden. Die Mädchen wiederum brachten neben ihrem Spinnrad und der Abendarbeitsration Flachs auch einen Scheiten Holz zum Heizen mit. Gearbeitet wurde bis 22 Uhr. Dann mußte alles Flachs versponnen sein. Jeder kennt das Sprichwort: „Spinnen am Abend – erquickend und labend. Spinnen am Morgen – bringt Kummer und Sorgen.“ Welche am Abend alles fertig hatte, war eine fleißige und flinke Spinnerin - eine gute Arbeitskraft. Sie würde sich gut um sich und ihre Familie kümmern und mit ihrer Arbeit ernähren können.
Die Spinte war aber auch noch mehr. Neben der Herstellung des Garns für Kleidung und Aussteuer, dem Sticken und Stricken wurden alte Lieder gesungen, Feste geplant, Geschichten und Sagen erzählt. So wurden in dieser kollektiven Gemeinschaft Brauchtum, Lieder und Traditionen ganz selbstverständlich und ohne wissenschaftliche Bücher weitergegeben. Es war so in etwa wie ein Jugendklub mit einer erwachsenen Aufsichtsperson – der Kantorka. Natürlich kamen ab und an auch die Jungs vorbei und wollten Späße machen oder auch ihre Liebste besuchen. Je nach Strenge der Kantorka und Gelegenheit/Gegebenheit sind diese Besuche manchmal auch aufs Heftigste ausgeartet. Junge Leute eben!
Das Mädchen, welches im nächsten Jahr heiraten würde, wurde als Źiśetko auserwählt. (s.da.) Manchmal, bei mehreren möglichen Hochzeiten, mußte auch das Los entscheiden.
In einigen Dörfern gab es wohl mehrere Spinten. Es wurde schon damals streng auf den eigenen Stand und einen Abstand zum Geringeren geachtet. Es gab Armenspinten bzw. auch Spinten von Mägden auf deren Höfen. Dessen Spinnräder hatten bewegliche Ringe, die beim Spinnen klapperten. War es zu leise, wurde die Spinnpause sofort registriert.
Was wurde denn nun mit dem fertig gesponnenen Garn gemacht? Das wurde in den Häusern der Mädchen zum Weben von Bettwäsche, Handtüchern, Abdecktüchern, Tischdecken, Laibchen, Nachthemden, Kleidungsstoffe und Säcken und vielem mehr benötigt. Das war für die Aussteuer der Mädchen und auch für den Haushalt wichtig. Die Feinheit des Garns entschied über das Produkt. Die Mädchen erarbeiteten sich ihre Aussteuer und ihre Kleidungsstücke für den Alltag und auch für die Feste zum Teil selbst. Gewebt wurde von der Frau des Hauses oder auch von den Männern. Wenn diese im Winter nicht im Wald Holz machen oder die Werkzeuge und Gartengeräte reparieren mußten, waren auch sie mit Weben beschäftigt.
Heute sind Spinten gelegentliche gesellige Treffen aller Generationen in den Dörfern zum Austauschen von Wissen zu Handarbeitstechniken, zum Erlernen alten Handwerks und zur Planung von Festen. Ein gemütlicher Abend mit Gleichgesinnten zum Quatschen und Hobbyfröhnen.