Die hier beschriebenen Informationen gelten für die dörfliche Region rund um Cottbus.
Was wir heutzutage Tracht nennen, war früher die ganz normale Kleidung für den Alltag, den Kirchgang und die Feste. Sie unterscheidet sich teilweise schon von einem Dorf zum nächsten. Meist sind es nur Details an Rock und Schürze zum Beispiel. Manchmal gibt es auch sehr auffällige Unterschiede wie zum Beispiel die Haubenform. Früher erkannte man an der Kleidung aus welcher Region oder sogar aus welchem Dorf die Frau oder das Mädchen stammten.
Wenn denn Frau hatte, konnte sie zu jedem Fest und Anlass genau die richtige Anzugsordnung einhalten. Allerdings waren nicht alle wohlhabend und mussten mit wenig Ausstattung auskommen.
Klare Regeln galt/gilt es allerdings einzuhalten:
- feiner Stoff zu feinem Stoff und feinem Rock und feiner Haube
- Baumwollstoff als einfacher Stoff mit einfachem Rock (eventuell mit schwarzer Spitze) und normaler einfacher Schürze möglich
- feines Tuch mit Stickerei immer zu einem Bandrock und feiner Schürze (und Haube)
Bitte keine Blaudruckschürze zum bestickten Bandrock tragen!
Die einfache Baumwollbluse nie mit einer feinen bestickten Haube und Seidenschürze tragen.
Es gilt damals wie auch heutzutage:
Frau kann sich auch mit wenigen Trachtenteilen mit etwas Verständnis und Gespür für die Kombinationsmöglichkeiten dem Anlass entsprechend kleiden.
Schwarz trägt Frau nur an hohen kirchlichen Feiertagen und zu den kirchlichen Zeremonien der heiligen Sakramente. Denn wer würde mit seinem Brautkleid tanzen gehen?!
Für Männer und Burschen:
Männertrachten sind einfacher. Je nachdem in welches „Früher“ wir uns zurückdenken, gab es folgendes.
Er trug Leinenkleidung oder Wollsachen für alle Arbeiten und für den Alltag. Mann (und auch Frau) achtete auf lange Kleidung zum Schutz vor der Sonne. Meist waren die Sachen kochfest und pflegeleicht. Zum Ausgehen in die Stadt und zum Fest besaß er ganz früher oft nur den Soldatenrock – Uniformmantel. Dieser wurde dementsprechend für die besseren Anlässe geschont. Weitere Uniformteile wie die jeweilige Kopfbedeckung und Stiefel trug er sicher auch der Jahreszeit entsprechend. Bestimmt trugen gut betuchte Bauern auch gute, feine Jacken und Hemden. Mann trug zur Arbeit einen einfachen Hut. Zum Feiern trug er einen guten Hut, wenn er einen besaß oder auch eine Art Schiebermütze. Es gibt einige Zeichnungen mit z. T. undeutlich abgebildeter Kleiderordnung. Die Angaben können deswegen kaum detailliert gemacht werden. Von Fotos um die Jahrhundertwende (ab etwa 1860 bis in die 1940er Jahre) kennen wir den gut gekleideten Mann im Gehrock mit Weste, Zylinder oder Melone und gutem weißem und gestärktem Hemd und schwarzen feinen Schuhen. Manchmal erkennt man auf den Fotos sogar weiße Handschuhe.
Zu den Bräuchen wurde damals wie heute meist eine schwarze Tuchhose und ein weißes Hemd und/oder ein Anzug getragen. Ein moderner Hut und Krawatte, Fliege oder Samtbänder vervollständigen die Kleidung.
Heutzutage sind Männer bei Festen mit dunklem (schwarzem) Anzug, weißem Hemd, „freundlicher“ Krawatte, schwarzen Schuhen und einem dunklen Hut immer gut gekleidet. Nehmen sie an Wettbewerben die Tradition betreffend teil, empfehlen sich schwarze Tuchhose oder Reithose, weißes Hemd, (schöne Krawatte oder Bändchen) und entweder Reitstiefel oder schwarze Schuhe.
Für Frauen und Mädchen
frühere Arbeitskleidung (Wird heute nur für „Vorführungen“ getragen aber nicht mehr im Alltag.): Einen einfachen Rock ohne Spitze, einfache langärmelige Baumwollbluse oder kochfestes, weißes Tuch, grobe Leinenschürze für Garten, Stall, Acker und Wiese hatte jede Frau „auf dem Dorf“. Für den Gang in das Dorf wurde meist eine etwas feinere (Blaudruck-)Leinenschürze getragen. In der Regel trug man auch zum Schutz eine Kopfbedeckung: ein geknotetes Tuch oder eine Haube. Man ging barfuß oder mit Holzlatschen.
Markt oder Fahrt in die Stadt (früher, heute nur für „Vorführung“ üblich):Es wurde ein einfacher Rock (schwarze Spitze möglich), ein Baumwoll-Markttuch oder eine Baumwollbluse, Blaudruckschürze und eine Markthaube aus Baumwollstoff getragen. Wer hatte, ging mit etwas besseren Schuhen oder eben mit Holzlatschen zum Markt.
In die Stadt zum Ausflug fuhr Frau mit möglichst guter Kleidung, um sich zu „Zeigen“.
Kirche (früher und heute):Je nach Einstufung der Gottesdienste im liturgischen Kalender wird eine „normale“ Kirchgangstracht oder eine besondere dem Tag entsprechende ausgewählt.
Die „normale“ Kirchgangstracht zu den „normalen“ Gottesdiensten im Kirchenjahr besteht aus einem zumeist grünen, braunen, blauen oder lila Rock mit schwarzer Spitze, einem feinen Tuch, feiner Schürze in dunkleren (gedeckten) Farben z. T. mit schwarzer Spitze. Die Polkajacke gehört dazu und auch eine feine Haube (mit Spitze). Frau trägt die guten Schuhe. Die Kleidung ist meist in gedeckteren Farben (auf rote Farben wurde oft verzichtet).
An hohen Feiertagen:erster Weihnachtsfeiertag, Neujahr, Ostersonntag, Himmelfahrt, Pfingstsonntag, Trinitatis (Fest des Glaubensbekenntnisses und der „Dreieinigkeit“) und Ewigkeitssonntag trägt Frau alles in schwarz: Rock, Tuch und Schürze aus feinem Stoff, Polka, Strümpfe, Schuhe, Haube.
Bei einem Gottesdienst mit Abendmahl trägt sie alles in schwarz wie oben außer:weißes Tuch und weiße Haube.
Passions- und Adventszeiten sind Fastenzeiten. Dann trägt Frau:
grünen Rock mit schwarzer Spitze, weißes Tuch, schwarze bedruckte Wollschürze, Polkajacke, schwarze Strümpfe, schwarze Haube.
Die Trachten im Kirchenjahr und zu Familienfeiern haben einige verschiedene Varianten:
Bei Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen wurden zum Gottesdienst in der Kirche die meisten Trachtenteile in schwarz getragen. Je nach Anlass und Teilnehmer gab es weiße oder bunte Trachtenstücke für das Mädchen, Mutter, Braut, Patin, Brautjungfer usw. Diese speziellen Trachten, die man nach der kirchlichen Zeremonie zu Hause meist gegen hellere, „fröhlichere“ Trachten (außer bei Beerdigung) tauschte, sind in einigen Dörfern variabel.
Zapust, kokot (früher und heute):Die jungen Mädchen des Dorfes sind in bunte Röcke mit schönen bestickten Bändern, hellen feinen bestickten Tüchern, Einsatzschürzen, bunten Bändern (Schärpen), meist weißen Strumpfhosen, feinen schwarzen Spangenschuhen und feinen bunten bestickten Hauben gekleidet.
Es wird immer die schönste Tracht getragen!
Bei „Männerfastnacht“ kleiden sich die verheirateten Frauen ebenso.
Feiern (früher und heute):Zum Zusehen und Mitfeiern gehen die Muttis in bunten Röcken mit feinen, bestickten Tüchern und Seidenschürzen.
Zum Feiern in das Nachbardorf gehen Frauen wie Mädchen in schönen Festtagstrachten mit schönen Tüchern oder feinen, schönen Blusen und Seidenschürzen. Zum Tanz am Abend wurden in der Regel keine Hauben getragen. Die „lapa“ ist kostbar und kann bei zu wildem Tanz Schaden nehmen.
Wenn die Haube nass wird, verformt sie sich und wird deswegen wetterabhängig getragen.
Die Kleidung der wendischen Frauen und Mädchen wurde in allen Zeitberichten immer als besonders sauber, strahlend weiß und sehr ordentlich beschrieben.
Für detailliertere Informationen rund um die Trachten zu den verschiedenen Anlässen sind Recherchen in den benannten Quellenangaben und bei Trachtenschneidereien empfohlen.